
Ein Wendekreisel ist ein faszinierendes kleines Werkstück: Zunächst dreht er sich ganz gewöhnlich, bevor er sich aufrichtet und schließlich auf seinem Stiel weiterläuft. In diesem Beitrag zeige ich anhand zahlreicher Bilder Schritt für Schritt, wie ein solcher Kreisel aus einem Stück Zwetschgenholz entsteht.
Als Ausgangsmaterial verwende ich ein Stück Zwetschgenholz, das ich zunächst zu einem Zylinder drechsle. Anschließend wird die Stirnseite sauber plangedreht.


Aus der Stirnseite arbeite ich einen kurzen Zapfen heraus. Er bildet später den Stiel des Wendekreisels.




Mit dem Zirkel nehme ich den gewünschten Durchmesser des Kreisels ab.

Dieses Maß übertrage ich auf den Zylinder. Die Markierung dient als Orientierung und hilft dabei, den Kreiselkörper gleichmäßig kugelförmig auszuarbeiten.

An der Markierung steche ich etwas mehr als die Hälfte des Durchmessers ein. So entsteht ausreichend Freiraum für die weitere Formgebung.

Nun drehe ich die Kanten auf beiden Seiten schrittweise in einem Winkel von etwa 45 Grad ab.

Diesen Vorgang wiederhole ich, bis die einzelnen Flächen annähernd gleich breit sind und sich die Kugelform bereits gut erkennen lässt.

Anschließend runde ich die beiden mittleren Kanten sorgfältig ab und gleiche die Übergänge an.


Mit Schleifpapier glätte ich die Rundung und beseitige kleinere Unebenheiten.

Um den vorderen Stiel optisch zu verlängern, nehme ich am angrenzenden Bereich der Kugel vorsichtig etwas Material ab.




Für den nächsten Arbeitsschritt verwende ich einen kleinen Drehstahl, den ich eigens zu einem passenden Schaber geschliffen habe. Damit verlängere ich die Kontur des Stiels in die Kugel hinein.


Die dabei entstehende Vertiefung sollte bis gut in die Mitte der Kugel reichen. Sie sorgt später dafür, dass der Wendekreisel zuverlässig auf seinem Stiel laufen kann.

Nun schleife ich den Kreisel sorgfältig und gleiche dabei die Oberfläche sowie die Übergänge weiter an.

Für die abschließende Glättung bearbeite ich die Oberfläche zusätzlich mit Schleifvlies.

Mit einem Stück Restholz reibe ich die Kante bei laufender Maschine vorsichtig an. Durch die entstehende Reibungswärme wird sie leicht angesengt. Der dabei entstehende braune Ring harmoniert sehr schön mit der dunklen Farbe des Zwetschgenholzes.

Nun steche ich den Kreisel fast vollständig ab. Ein etwa 5 mm starker Rest bleibt zunächst stehen, damit das Werkstück für die letzten Arbeitsschritte noch sicher gehalten wird.

Mit dem Meißel forme ich anschließend die untere Rundung und führe sie sauber an die bereits fertige Kugelform heran.


Sobald die Form stimmt, steche ich den Kreisel mit dem Meißel vollständig ab.


Für die abschließende Bearbeitung spanne ich den Kreisel noch einmal vorsichtig und mit möglichst wenig Druck ein, damit keine Abdrücke entstehen.

Die verbliebene Ansatzstelle wird kurz und behutsam überschliffen.

Zum Schluss glätte ich auch diesen Bereich mit Schleifvlies.

Damit ist der Wendekreisel fertig. Die markante Maserung des Zwetschgenholzes und der eingebrannte Zierring geben ihm einen ganz eigenen Charakter.

Nun fehlt nur noch der Probelauf: Mit etwas Schwung beginnt der Kreisel auf seiner runden Unterseite, richtet sich während der Drehung auf und läuft schließlich auf dem Stiel weiter. Genau dieser überraschende Bewegungsablauf macht den besonderen Reiz eines Wendekreisels aus.
Ich wünsche viel Freude beim Nacharbeiten und Experimentieren mit unterschiedlichen Holzarten, Größen und Proportionen. Jeder Wendekreisel läuft ein wenig anders – und gerade darin liegt der Spaß.
Natürlich muß jeder einzelne Kreisel durch die Endkontrolle, ob er sich auch wirklich auf den Kopf stellt.
und hier noch ein kleines Video, das das Drechseln eines Wendekreisels zeigt, allerdings deutlich später entstanden.