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Das Drechseln einer Kugel gilt als eine der Königsdisziplinen an der Drechselbank. Angeblich braucht man dafür sehr viel Übung oder eine spezielle Kugeldrehvorrichtung. Eine wirklich runde Kugel ohne Vorrichtung freihändig zu drechseln, soll demnach vor allem erfahrenen Drechslern vorbehalten sein.
Zumindest nach meiner Erfahrung stimmt das so nicht.
Das freihändige Drechseln einer Kugel ist wesentlich einfacher, als häufig behauptet wird. Wer ein Drechseleisen einigermaßen sicher führen kann, benötigt dafür keine teure Kugeldrehvorrichtung.
Die folgenden Bilder und Texte zeigen meine Vorgehensweise beim Kugeldrechseln. Einige der hier beschriebenen Arbeitsschritte habe ich trotz längerer Suche im Internet bisher nirgendwo in vergleichbarer Form gefunden. Die Verfahren, die ich in anderen Anleitungen und auch in neueren Videos von Profis gesehen habe, erfordern meiner Meinung nach deutlich mehr Übung.

Den Kugelrohling vorbereiten
Am Anfang steht ein Holzkantel. In diesem Beispiel verwende ich Zirbenholz mit einem Querschnitt von 80 × 80 Millimetern.
Natürlich kann auch ein kürzeres Stück verwendet werden. Wenn die Maschine aber ohnehin eingerichtet ist, lassen sich aus einem längeren Kantel gleich mehrere Kugelrohlinge herstellen.

Zunächst wird das Kantholz zu einem gleichmäßigen Zylinder gedrechselt.

Wichtig ist, dass der Zylinder über seine gesamte Länge möglichst genau den gleichen Durchmesser besitzt. Ich stelle die Schieblehre in diesem Beispiel auf 76 Millimeter ein und verteile mehrere maßhaltige Einstiche über die Länge der Rolle.

Anschließend drechsle ich den gesamten Zylinder möglichst genau bis auf diese Einstiche herunter.

So sollte der fertige Zylinder anschließend aussehen.

Gleich große Rohlinge zuschneiden
Der Anschlag der Kreissäge wird nun auf den Durchmesser des Zylinders eingestellt.

Anschließend säge ich die Rolle in einzelne Stücke. Die Länge jedes Abschnitts entspricht dabei genau dem Durchmesser des Zylinders.

Auf diese Weise entstehen in diesem Beispiel sechs gleich große Rohlinge für sechs Kugeln.

Den Rohling diagonal einspannen
Einer der Rohlinge wird nun exakt diagonal zwischen die Spitzen gespannt.
Dafür habe ich eine spezielle Spannvorrichtung entwickelt, in der der Zylinder formschlüssig gehalten wird.
Sie besteht aus einem Mitnehmer und einem passenden Gegenstück. Beide Teile besitzen eine MK2-Aufnahme.
Wichtig: Der Klemmring, der rechts auf dem Bild zu sehen ist, sollte bereits jetzt aufgeschoben werden. Er wird später benötigt. Andernfalls müsste der Rohling noch einmal ausgespannt werden.

Durch die schnelle Drehung des Werkstücks entstehen deutlich sichtbare Schattenkonturen. Diese lassen sich beim Drechseln als Hilfslinien verwenden.
Die folgende Detailaufnahme hat nicht nur die Kamera, sondern auch den Fotografen ein wenig gefordert.
Die Schatten zeigen eine große äußere Kugelkontur, zwei gerade Linien, die sich an der Kugelhülle treffen, sowie den sichtbaren Teil einer kleineren inneren Kugel. An diesen Linien orientieren wir uns beim weiteren Drechseln.

Den Rohling gegen Verdrehen sichern
Zur Spannvorrichtung gehört außerdem ein Klemmring, der zunächst noch lose am Reitstock hängt.

Auf der rechten Seite wird der Rohling mit dem Abstechstahl bis auf das Formstück heruntergedrechselt.

So sollte die vorbereitete Stelle anschließend aussehen.

Nun wird der Klemmring fest über das abgedrechselte Eckstück geschoben. Er verhindert zuverlässig, dass sich der Holzzylinder während der Arbeit aus der Aufnahme herausdreht. Ein zweiter Klemmring auf der linken Seite ist nicht erforderlich.

Die erste Kugelkontur drechseln
Damit ist der Rohling sicher gespannt und das eigentliche Drechseln der Kugel kann beginnen.

Nun wird das überschüssige Holz bis an die gut sichtbare innere Kugel beziehungsweise bis an die beiden geraden Schattenlinien herangedrechselt. Dabei lässt sich nicht nur genau erkennen, an welchen Stellen noch Material entfernt werden muss – man kann es auch hören und am Drechseleisen fühlen.

Eigentlich kann man bei diesem Arbeitsschritt kaum einen Fehler machen: Solange außerhalb der sichtbaren Kontur noch Schatten stehen bleiben, muss dort weiteres Material abgenommen werden.

Die Form mit einem Ring kontrollieren
Noch genauer lassen sich Abweichungen erkennen, wenn ein passender Ring auf die bereits gedrechselte Kugelfläche gesetzt wird.

Für die weitere Bearbeitung nehme ich ein Stück Schleifpapier mit Körnung 240, falte es zusammen und schneide es mehrfach ein.

Danach wird das Schleifpapier in die andere Richtung gefaltet und mit drei weiteren Einschnitten versehen. So kann es sich besser an die Rundung der Kugel anlegen.

Mithilfe des Metallrings drücke ich das eingeschnittene Schleifpapier gleichmäßig gegen das Werkstück. Dadurch wird der bereits gedrechselte Kugelabschnitt noch etwas genauer. Eine saubere Rundung ist wichtig, damit die Kugel beim nächsten Arbeitsschritt zuverlässig gespannt werden kann.

Die Kugel umspannen
Nach dem Umspannen wird die Kugel im Reitstock von einer mitlaufenden „Körnerspitze“ aus Holz gehalten. Diese besitzt eine leichte Innenrundung, damit auf der Kugel keine Druckstellen entstehen.
Sobald die Maschine läuft, ist deutlich zu erkennen, an welchen Stellen noch Material entfernt werden muss.

Nun drechsle ich erneut bis an die gut sichtbare Kugelkontur heran.

Auch bei diesem Arbeitsschritt gilt:
Man sieht, hört und fühlt, wo noch Holz abgenommen werden muss. Die rotierende Kontur zeigt sehr genau, wann die Kugelform erreicht ist.

Schlichten und schleifen
Nun folgen nur noch die letzten Schlichtarbeiten.

Die verbleibenden kleinen Unebenheiten werden mit Schleifpapier der Körnung 240 entfernt.

Damit alle Bereiche erreicht werden, muss die Kugel während des Schleifens mehrmals von Hand etwas weitergedreht werden.

Wie fein die Oberfläche am Ende geschliffen wird, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Je nach Holzart und gewünschter Oberflächenbehandlung können anschließend noch feinere Körnungen verwendet werden.

Die verwendeten Hilfsmittel
Für das hier gezeigte Verfahren verwende ich mehrere eigens angefertigte Hilfsmittel:
Der Mitnehmer und das kugelgelagerte Gegenstück am Reitstock nehmen den zylindrischen Rohling formschlüssig auf.
Der Klemmring verhindert, dass sich der Holzzylinder verdreht. Ein zweiter, mit einer Kork-Gummi-Mischung beschichteter Einsatz für das Kugellager drückt die Kugel in das Kugelfutter, ohne bleibende Druckstellen zu hinterlassen.
Das Kugelfutter selbst lässt sich mit wenig Aufwand drechseln.

Hinzu kommt ein Ring, mit dem ich das Schleifpapier gleichmäßig gegen die Kugel drücke.
Dieser Ring muss nicht unbedingt aus Metall bestehen; ein passend gedrechselter Holzring sollte den gleichen Zweck erfüllen.

Das Ergebnis
Das Ergebnis ist eine Zirbenholzkugel mit einem Durchmesser von 74 Millimetern.
Nachgemessen beträgt die Abweichung lediglich etwa plus/minus zwei Zehntelmillimeter. Damit kann ich sehr gut leben.
Das Verfahren im Video
Im folgenden Video ist der gesamte Arbeitsablauf noch einmal zusammenhängend zu sehen:
Wie diese Anleitung zeigt, ist das freihändige Drechseln einer maßgenauen Kugel keine unüberwindbare Königsdisziplin. Mit der richtigen Vorgehensweise, passenden Hilfsmitteln und etwas Sorgfalt gelingt es auch weniger erfahrenen Drechslern. Viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren!
Schoene Seite, ich komme mal wieder vorbei.
also ich habe mir das kugelset gekauft
und heute ist es gekommen ,also weg vom grill und zur
maschine kugel drehen ,die erste war noch einwenig schwer für mich
aber ist geworden,zum grill erst mal gestärkt mit neuer kraft ans werk.
bei der ersten gute stunde bei der zweiten 15 minuten super
einfach nur genial,bin jetzt köngskugelmacher
Hallo Thomas,
erstmal tolle Idee, großartige Umsetzung.
Bin von deiner Seite ganz schön beeindruckt.
Gruß Andreas
Hallo Thomas.
Wenn der größere/ kleinere Baustz fertig ist ,lass es mich wissen.
Weiterhin tolle Ideen
Gruß
Klaus
Thomas,
wenn die Spannelelmente fertig sind, würde ich auch gerne ein Paar erwerben.
Hallo Thomas.
Genialer geht es nicht. Habe auf Anhieb aus Wacholderholz ein tolles ,,Ding,, gedreht. Danke für promte Lieferung
Frage: Gibt es das Werkzeug auch für größere Kugeln?
Liebe Grüße
Klaus
Hallo Klaus,
vielen Dank für Deinen Kommentar.
Ich werde demnächst einen Satz für größere und auch für kleinere Kugeln machen, der besteht dann jeweils nur aus dem Mitnehmer, dem Einsatz für das Kugellager, und dem Klemmring.
Gruß Klaus
Herzlichen Dank für die Anleitung! Wenn die Spannelemente fertig sind, würde ich ein Paar gerne erwerben! Danke im Voraus!
Liebe Grüße
Johannes
Hallo
klasse Idee und Umsetzung vor allem. Danke fürs Zeigen ! Gibt es die Spannvorrichtung irgendwann auch zu kaufen ? Meine Fähigkeiten reichen dafür leider (noch?) nicht aus.
Beste Grüße
Hallo Michael,
ich bitte noch um zwei bis drei Wochen Zeit. Die gezeigten Spannvorrichtungen haben in der Praxis allesamt noch mehr oder weniger große Schwachstellen. Ich bin aber am Entwickeln, die Prototypen sind praktisch fertig, wenn ich die Pilotserie fertig habe, werde ich sie hier vorstellen.
Gruß Thomas
Hallo Thomas,
welche Drehzahlen hast du dabei benutzt?
Hallo Christian, Drehzahlen mach ich immer nach Gefühl, aber ich schätze so 2500 U/min.
Gruß Thomas
Einfach genial – genial einfach
Servus Thomas,
ich bedanke mich ganz herzlich für deinen Beitrag. Ich habe deine Methode exakt kopiert und bin mit den Ergebnissen mehr als zufrieden.
Werde noch größere Durchmesser als 80mm versuchen und dann schaun mer mal, was passiert!
Willy
It is very impressive to see how you turn the balls (sheperes). I have published your homepage on a danish woodturner side. Thanks :)
Regards Bjoern
Moin Thomas,
deine Art die Kugeln zu drechseln finde ich sehr interessant.
Beim Zuschnitt der Rohlinge würde ich dir vorschlagen den Parallelanschlag so weit zurückzuziehen, bis dieser ein Stück vor dem Sägeblatt liegt. So würde das abgeschnittene Stück frei fallen und die Gefahr eines Rückschlags ausbleiben.
Gruß
Andreas
Hallo Thomas,
habe es so noch nicht gekannt, sehr interessant.
Bis zu welcher Größe kannst Du nach dieser Methode Kugeln drechseln?
Gruß
Horst
Hallo Horst,
grundsätzlich sehe ich da keine Begrenzung in der Größe der Kugeln. Es braucht halt dann eine entsprechende Aufnahme bzw Mitnehmer.
Gruß Thomas
wirklich gut gemacht werde mich auch mal dran machen,muß aber
erstmal die sachen aus holz drehen
gruß günther
Hallo Thomas,
wirklich tolle Anleitung – vollkommen „rund“ und nachvollziehbar.
Das werde ich mal testen.
Vielleicht werden die „Ovale“ dann doch mal zu Kugeln :-)
Viele Grüße
Roland
Hallo Thomas,
dein Bericht leuchtet von A-Z ein! Bravo.
Habe es noch nicht getestet, aber ich werde es sicher mal genauso machen wollen.
Du bist ein Tausendsassa der die Drechselwelt begeistert!!!
Weiterhin viel spass beim tüffteln und umsetzen deiner genialen Ideen.
Freundlicher Gruess aus der Schweiz.
Heinz
Hallo Thomas !
Genial , das ist genau Dein Stiel, neue Wege suchen und…….finden
Danke für den Bericht
Lenz
Hallo Thomas,
ein SUPER Bericht – herzlichen Dank dafür. Mein Finanzminister wird es Dir danken; ich natürlich auch.
Es sind diese „kleinen“ Lösungen, die einem das Leben so viel leichter machen und aus denen man dann Kraft für Neues schöpft.
Viele Grüße
Tom
genau so kenne ich Dich, besonnen, gründlich, geradlinig.
Auch wenn ich vielleicht nie mehr eine Kugel drehen werde
Danke vom
Woifi
Tolle Anleitung, das werde ich auch versuchen
Frage welchen Durchmesser haben die Kugeln
Mit freundlichen Grüßen
74 mm, das geht aber natürlich mit jeder Größe
Gruß Thomas
Hallo Thomas
Hab´s getestet und meine neidlose Anerkennung.
Das Schattenbild ist wesentlich besser und deutlicher als bei der 90 Grad Drehmethode. Und die Abdrücke die man Diagonal erzeugt fallen ja sowieso weg. Passt also rundherum.
Gruß
Helmut