Schreibgeräte drechseln – meine Vorgehensweise
Ein handgefertigtes Schreibgerät entsteht in vielen sorgfältig aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten. In diesem Beitrag zeige ich, wie ich dabei vorgehe – vom Bohren und Stabilisieren der Holzrohlinge über das Einkleben der Messinghülsen bis hin zum Drechseln, Schleifen, Lackieren und abschließenden Zusammenbau. Diese Arbeitsweise hat sich für mich bewährt, ist aber selbstverständlich nur eine von mehreren Möglichkeiten.
1. Holzrohlinge bohren und trocknen

Zunächst bohre ich die Holzrohlinge passend zu den Messinghülsen des jeweiligen Bausatzes. Beim Einspannen greife ich den Rohling nicht an seinen flachen Seiten, sondern an den vier Kanten. Dadurch drücken die Spannbacken nach dem Bohren nicht auf die dünnsten Bereiche des Holzes.
Ein scharfer, gut schneidender Bohrer ist dabei besonders wichtig. Ein stumpfes Werkzeug erzeugt unnötige Reibungswärme, die kleinste Risse verursachen kann. Solche Schäden werden mitunter erst während der weiteren Bearbeitung oder sogar nach der Fertigstellung sichtbar.
Während des Bohrens ziehe ich den Bohrer deshalb regelmäßig aus der Bohrung und entferne die Späne. Sie dürfen sich nicht zwischen Bohrer und Bohrungswand verdichten und dort zusätzliche Wärme erzeugen. Der Bohrer darf handwarm, aber keinesfalls heiß werden.

Bei einem gut geschärften Bohrer genügt geringer Vorschubdruck. Das vermindert die Erwärmung und hilft zugleich, Ausrisse an der Austrittsseite der Bohrung zu vermeiden.

Bereits vor dem Zersägen markiere ich die zusammengehörenden Rohlinge so, wie sie später im Schreibgerät angeordnet werden. Auf diese Weise bleibt der Verlauf der Holzmaserung im fertigen Stück möglichst gut erhalten.
Nach dem Bohren lasse ich die Rohlinge noch einige Tage oder Wochen liegen. So können sie auch von innen nachtrocknen und vorhandene Spannungen abbauen. Wenn die Messinghülsen anschließend nicht mehr problemlos in die Bohrungen passen, hat sich das Holz während dieser Zeit noch verändert. In diesem Fall bohre ich vorsichtig nach oder schleife die Bohrungen auf das benötigte Maß aus.
2. Rohlinge mit Holzfestiger stabilisieren

Die vorbereiteten Rohlinge behandle ich aus zwei Gründen mit Holzfestiger:
- Der Festiger verschließt insbesondere an den Stirnseiten einen Teil der offenen Poren. Dadurch ist das Holz später besser gegen eindringende Feuchtigkeit und Handschweiß geschützt.
- Beim Drechseln können an den Kanten der Messinghülsen kleine Holzstücke ausbrechen. Der Holzfestiger stabilisiert diese empfindlichen Bereiche und verringert das Risiko solcher Schäden.
3. Messinghülsen vorbereiten und einkleben

Für jeden von mir verwendeten Hülsendurchmesser habe ich einen passenden Spanndorn angefertigt. Eine Innensechskantschraube fixiert die Hülse präzise auf dem Dorn. Sowohl beim Vorbereiten der Hülsen als auch später beim Drechseln nehme ich die Spanndorne in einem Spannzangenfutter auf.
Handelsübliche Exzenterspanndorne sind für diesen Arbeitsschritt aus meiner Sicht weniger geeignet, da sie die Hülse zum Spannen aus der Mitte drücken können.

Ich spanne die Messinghülse auf den Dorn und raue ihre Oberfläche zunächst mit Schleifpapier der Körnung 240 an. Anschließend trage ich den Klebstoff bei langsam laufender Drechselbank gleichmäßig auf. Statt Sekundenkleber verwende ich einen leicht aufschäumenden PU-Kleber. Der auf dem Bild gezeigte Klebstoff ist nicht mehr erhältlich; inzwischen verwende ich einen PU-Kleber von Ponal.

Mit einer kleinen Zange nehme ich die vorbereitete Hülse vom Spanndorn und schiebe sie in den Holzrohling.

Der Klebstoff soll an beiden Stirnseiten rundum austreten. Nach dem vollständigen Aushärten lässt sich der Überschuss vorsichtig mit einem Messer entfernen.

4. Schreibgerät drechseln
Nun drechsle ich die beiden mit Messinghülsen versehenen Rohlinge. Passende Distanzhülsen auf einem 8-mm-Mandrel geben dabei den benötigten Enddurchmesser vor. Das Mandrel wird wiederum im Spannzangenfutter gehalten.

Für diesen Arbeitsgang verwende ich einen 13 mm breiten Meißel. Damit bringe ich beide Holzteile schrittweise in die gewünschte Form und nähere mich vorsichtig dem durch die Distanzhülsen vorgegebenen Durchmesser.
5. Oberfläche und Stirnseiten schleifen

Zum Schleifen verwende ich nicht das Mandrel, sondern wieder meine Spanndorne. Beim Schleifen auf dem Mandrel würden zwangsläufig auch die Distanzringe berührt. Dadurch würden sie im Laufe der Zeit kleiner, und metallischer Schleifstaub könnte sich in den Poren des Holzes ablagern.

Damit die Kanten scharf bleiben und meine Finger nicht zu heiß werden, nutze ich Klett-Schleifpapier auf geeigneten Halterungen.

Die Oberfläche schleife ich schrittweise mit Körnungen von 320 bis 1200. Dabei glätte ich nicht nur das Holz, sondern bringe auch den Außendurchmesser sehr genau auf das erforderliche Maß.

Den Durchmesser kontrolliere ich mit einer Schieblehre. Das ist genauer, als sich beim Schleifen allein an den Distanzringen zu orientieren.

Zum Abschluss schleife ich bei stehender Maschine noch einmal mit 1200er Schleifpapier in Faserrichtung. Dadurch werden auch feinste quer verlaufende Schleifspuren beseitigt.

Für die Bearbeitung der Stirnseiten setze ich den Spanndorn ohne Schraube und Gummiring in das Bohrfutter des Reitstocks ein. Eine Klett-Schleifscheibe mit 50 mm Durchmesser und Körnung 240 sitzt auf einem kleinen Schleifteller aus Aluminium.

Bei laufender Maschine drehe ich das Holzteil langsam von Hand und drücke seine Stirnseite mit leichtem, gleichmäßigem Druck gegen den Schleifteller.
6. Grundieren und lackieren

Wachs oder Holzöl bieten für ein häufig benutztes Schreibgerät aus meiner Sicht keinen ausreichend widerstandsfähigen Oberflächenschutz. Deshalb versiegele ich meine Schreibgeräte mit einer seidenmatten Lackierung.
Zunächst spanne ich die Holzteile wieder auf die Spanndorne. Bei langsam laufender Drechselbank trage ich die Grundierung mit einem Pinsel auf die Außenflächen und sorgfältig auf die Stirnseiten auf.

Überschüssige Grundierung nehme ich anschließend mit einem sauberen Tuch ab.

Die zusammengehörenden Teile hänge ich jeweils paarweise auf einer Holzstange zum Trocknen auf.

Zum Lackieren nutze ich eine kleine Spritzkabine. Das Holzteil sitzt dabei auf einem passend gedrechselten Holzstift, dessen Ende mit einem Schlitz versehen ist.

Ein kleiner Holzkeil wird in den Schlitz gedrückt und hält das Schreibgeräterohr während des Lackierens sicher auf dem Stift.

Mit einer kleinen Spritzpistole lackiere ich die Außenfläche und die Stirnseiten gleichmäßig.

Nach dem Lackieren nehme ich die Teile vorsichtig von ihrer Halterung ab.

Anschließend werden sie erneut zum Trocknen aufgehängt.
Wichtiger Sicherheitshinweis zur Lackierung

Beim Versprühen lösemittelhaltiger Lacke können sich entzündliche Dämpfe und Lacknebel bilden. Funken, heiße Oberflächen, ungeeignete elektrische Geräte und elektrostatische Entladungen können eine Verpuffung oder Explosion auslösen.
Eine gewöhnliche Staubabsaugung ist nicht automatisch für Lacknebel oder brennbare Dämpfe geeignet. Erdungsmaßnahmen allein stellen keinen ausreichenden Explosionsschutz dar. Beim Lackieren müssen deshalb die Sicherheits- und Verarbeitungshinweise des Lackherstellers beachtet sowie eine dafür geeignete Lüftung beziehungsweise Absaugtechnik eingesetzt werden. Zündquellen sind konsequent fernzuhalten; außerdem ist geeignete persönliche Schutzausrüstung zu tragen.
Bei meiner Anlage sind die leitfähigen Bestandteile miteinander verbunden und geerdet. Dazu gehören ein blanker Draht in den Kunststoffrohren, der Draht im flexiblen Schlauch und der Käfig des Filters. Diese Darstellung beschreibt lediglich meine Ausführung und ersetzt keine fachkundige Prüfung der Anlage.


7. Schreibgerät zusammenbauen

Nach dem vollständigen Trocknen werden die einzelnen Bauteile des Schreibgeräts – hier die eines Füllfederhalters – in der vorgesehenen Reihenfolge mit den Messingröhrchen verpresst.

Zum kontrollierten Einpressen der Bauteile nutze ich die Drechselbank. Dabei achte ich darauf, die Teile genau auszurichten und nur so viel Druck wie nötig auszuüben.

Zum Schluss
Die hier beschriebene Herstellungsweise ist keine allgemeingültige Vorgabe, sondern zeigt den Ablauf, der sich in meiner Werkstatt bewährt hat. Vielleicht bietet der Bericht die eine oder andere Anregung für eigene Schreibgeräte und hilft dabei, typische Schwierigkeiten bei der Bearbeitung, beim Verkleben und bei der Oberflächenbehandlung zu vermeiden.
Fragen, Anregungen und eigene Erfahrungen kannst du gerne im Kommentarfeld hinterlassen. Soweit es mir möglich ist, beantworte ich Fragen direkt unter diesem Beitrag.
Hallo Thomas,
das mit dem Metallschleifstaub der Distanzringe ist richtig. Ich habe neulich einen Stift mit Eschenholz gedrechselt. Da war überall dunkler Schleifstaub in den Poren. Das sah nicht gut aus und den Stift kann man fast wegwerfen.
Ich werde mal mit selbst gemachten Distanzringen aus Holz experimentieren. Die können sich ruhig abschleifen.
PS: Deine Webseite und Ideen sind toll!
Gruß Martin
Hallo!
Ein sehr informativer Bericht- sehr gut!
Nur noch eine Ergänzung: wir haben in der Seniorenwerkstatt Alfeld eine Menge diverser Schreibgeräte gefertigt und als Finish mit Canaubawachs gute Erfahrung gemacht. Die feinstgeschliffene Oberfläche behandeln wir nacheiander mit Möbelwachs, Danish Oil und Canaubawachs (von KS). natürlich mit jeweiligem Zwischenschliff. Die Oberfläche wird so spiegelblank und gegen Griffschweiss vollkommen unempfindlich!
Grüße aus dem Leinebergland!
Hallo,
den Kleber den du verwendest (den es angeblich nicht mehr gibt),
ist bei MK-Kleinkunst erhältlich.
Viele Grüße
Bernd
Hallo
Welchen Lack verwendest Du für die Stift Rohlinge.
Mit welcher Spritzpistole lackierst Du die Rohlinge.
Vielen Dank für deine Hilfe.
Mit freundlichen Grüßen
H.Anton
Hallo Anton,
zum Lackieren verwende ich einen Nitrolack von CLOU, den ich mit einer normalen kleinen Spritzpistole aus dem Fachhandel verarbeite.
Gruß Thomas
Hallo,
die Beschreibung ist klasse und zeigt mir einiges auf, dass ich anders/besser machen kann.
Was für einen Holzfestiger verwenden Sie bitte?
Danke im Voraus und freundliche Grüße
Sebastian
Hallo Sebastian,
ich nehme den Holzfestiger von Drechseln&Mehr, https://www.drechselnundmehr.de/d-m-holz-festiger-1000-ml.html
Gruß Thomas
Hallo
Klasse informative Seite.
Nun eine Frage wie heißt der Kleber von Ponal den du zum ein kleben der MS Röhrchen benutzt genau.
Danke Grüß Alois
Hallo Alois,
der Kleber nennt sich PUR-Leim und ist von Ponal
Gruß Thomas