Ein kleines Glöckchen, Schritt-für-Schritt

glocke_39Eine kleine Glocke aus dem Ast einer noch nassen Eibe, die mir ein Drechslerkollege zur Verfügung gestellt hat.

Eigentlich etwas ganz Einfaches, aber vielleicht kann der Eine oder Andere aus den folgenden Bildern und Texten doch ein paar Anregungen für sich herausnehmen.

Ein Stück Ast, ca. 5 cm Durchmesser und 7 cm lang, zwischen die Spitzen genommen, eine 40er Aufnahme für das Spannfutter gedrechselt, und eingespannt.

Zuerst drechsle ich das Holzstück unten plan.

Dann ein 20er Bohrer, extra für diesen Zweck rund zugeschliffen, damit im Innenraum der Glocke keine Kanten entstehen.

Nun 5 cm tief gebohrt,

… und dann der Innenraum größer ausgedrechselt.
Dies ist eine sehr gute Gelegenheit, mal wieder den Haken herauszuholen, um ein bischen mehr Übung in dessen Handhabung zu bekommen. Das muß natürlich nicht sein, aber das Objekt ist ideal dazu geeignet.

Mit dem gekröpften Haken wird die Öffnung unten erweitert.

Da ich ungerne mit den Fingern in drehende Öffnungen lange, habe ich um eine 12er Dübelstange ein bischen Moosgummi und darsuf ein Stück Klettbelag geklebt.

Damit kann man nun vollkommen gefahrlos den Innenraum der Glocke ausschleifen.

Damit sich der entstehende, noch nasse Schleifstaub, nicht sofort im Schleifpapier festsetzt, wird er laufend mit Druckluft entfernt.

Und schon ist das Innere des Glöckchens fertig.

Jetzt wirds weihnachtlich:

Ein LED-Spot wird so positioniert, daß er den Innenraum gut ausleuchtet, mich aber bei der Arbeit nicht blendet.

Nun drechsle ich die Außenform.

Mit etwas Übung, kann man gut abschätzen, wieviel noch wegzunehmen ist.

Ein gut geschliffenes Eisen schadet hier natürlich nicht.

Stück für Stück wird der Glockenkörper bis unter einen Millimeter Wandstärke heruntergedrechselt.

Die Aufhängung wird schon ein bischen angedeutet, nicht zu klein drechseln, damit man noch gut schleifen kann.

Nun wird außen geschliffen, 240er, 320er, und dann Schleifvließ.

Auch hier leistet etwas Druckluft gute Dienste, der Schleifstaub setzt sich nicht so sehr fest, und das Holz wird während der Bearbeitung schon fast trocken.

Nun eine „Körnerspitze“ aus Holz, ein bischen weiches Papier drüber, hier Haushaltstuch, und in den Glockenkörper hineingeschoben, um ihn zu stabilisieren.

Jetzt wird die Aufhängung fertig gedrechselt,

… und das Ganze abgestochen. (welch brutales Wort)

Das Glöckchen bleibt einfach auf der Körnerspitze hängen.

Den Rest erledigt, falls erforderlich ein scharfes Messer.

Ein kleines Birnbaumkantel, 12 x 12 mm, in mein Miniaturspundfutter gespannt, und eine kleine Körnerspitze mit Stützring dagegen.

Richtig, das wird natürlich der Klöppel.

Er sollte ca. 45 mm lang werden.

Der Glockenkörper bekommt oben ein kleines Loch,

… der Klöppel ebenso.

Glocke, Klöppel, Sternzwirn, Sekundenkleber und Beschleuniger.

Ein Stück von dem Zwirn wird mit beiden Enden durch das Loch in der Glocke, und dann in den Klöppel hineingeschoben. Ein Tropfen Sekundenkleber drauf, …

… der Beschleuniger läßt diesen sofort aushärten.

Nun die beiden Fäden so gehalten, daß der Klöppel leicht unten aus der Glocke herausschaut, und wieder mit einem Tropfen Sekundenkleber fixiert.

Auch hier beschleunigt ein leichter Druck auf die Spühflasche den Härtevorgang.

Fertig.

Ein bischen von unten beleuchtet, kommt die Zeichnung des Holzes noch etwas besser heraus.

8 Gedanken zu „Ein kleines Glöckchen, Schritt-für-Schritt“

  1. Hallo Thomas !

    Danke für den Bericht , schön dass Du immer neue Objekte entwirft und auch die Vorraussetzungen besitzt sie um zu setzen und anschaulich zu dokumentieren .

    Weiterhin viel Freude !
    Gute Zeiten
    Lenz

  2. Hallo Thomas,
    Mal wieder eine Spitzendokumentation von Dir. Ich staune immer wieder, wie Du das Alles gleichzeitig machst. Werkzeugbau, drechseln, Teilnahme an vielen Treffen (da trafen wir und z.B. Im Juni in Thüringen) Deine tolle Web side, Verkauf…Ich glaube, ich muß bei Die mal einen Lehrgang zum Zeitmanagement buchen.
    Viele Grüße
    Eckhard aus Berlin

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