Durchbruch im Drechseln

Ein sehr interessanter Bereich ist das Herstellen von Objekten in durchbrochener Technik.

Neben dem reinen Drechseln ist hierbei vor allem die Kreativität gefragt, sich immer wieder neue Spanntechniken und Vorgehensweisen auszudenken sowie Hilfswerkzeuge zu bauen.

Da mir dies mindestens ebenso viel Freude bereitet wie das Drechseln selber, habe ich mich in letzter Zeit etwas intensiver mit der Materie beschäftigt.

Ein Beispiel für diese Technik ist der hier abgebildete Teller.

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Er besteht auf der Oberseite aus lauter kleinen Vierecken, die von unten durch Ringe zusammengehalten werden.

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Ich nehme dazu einen Rohling aus Walnussholz mit ca. 36 cm Durchmesser und 5 cm Stärke.

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Zuerst drechsle ich die Unterseite des Tellers grob fertig, dazu eine Aufnahme für das Spannfutter.

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Die Oberseite bekommt eine ganz einfache, etwas nach innen gewölbte Form.

Die Wandstärke sollte nicht unter einem Zentimeter liegen.

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Zum Schleifen verwende ich einen kleinen Einhandwinkelschleifer, auf den ich eine Halterung für meine Moosgummiteller gebaut habe.

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Die Seite schleife ich mit den verschiedenen Körnungen vollkommen fertig.

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Um auch feinste Spuren des rotierenden Schleifblattes zu beseitigen, gehe ich mit einem feinen Schleifvlies zum Schluss noch mal in Richtung der Holzfasern über die Oberfläche.

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Die Oberseite des Tellers soll aus lauter kleinen Vierecken bestehen.

Dazu benötige ich eine Teileinrichtung, die die Spindel der Drechselbank mindestens alle 90 Grad arretieren kann.

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Es gibt natürlich mehrere Möglichkeiten, die Schlitze herzustellen. Ich habe mich bei dieser Art von Projekten dazu entschieden, eine Handkreissäge zu benutzen.

Als Führung dient mir eine waagrechte Holzplatte. Diese kann ich mittels eines Winkeleisens, das auf einen 30 mm Rundstahl geschweißt ist in das Handauflagenunterteil stecken, und wie die normale Handauflage in jeder Höhe feststellen.

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Wer diesen Aufwand nicht treiben will, kann das Führungsbrett natürlich auch mit einer geeigneten Unterlage und Schraubzwingen auf dem Bankbett festspannen.

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Bei der Handkreissäge habe ich den Schutz entfernt, und durch einen eigenen, bestehend aus einem glatten Holzbrett, ersetzt. Damit kann ich die Säge sehr leicht auf dem Brett verschieben und Schlitze in den Teller sägen.

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Innen habe ich auf den Schutz eine Holzscheibe geschraubt, die 8 mm kleiner ist als das Sägeblatt, und zu diesem ca. 1 mm Abstand hat.

Damit kann ich nun sehr einfach und präzise 4 mm tiefe Schlitze sägen. Durch den Tiefenanschlag kann ich nicht nur jeder Form des Werkstückes sauber folgen, sondern habe auch die Sicherheit, dass die Säge nicht im Werkstück hängen bleibt und zurückschlägt.

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Mittels der Teileinrichtung und des geraden Tisches kann ich nun den ersten Sägeschnitt anzeichnen. In diesem Fall mache ich die Quadrate 32 mm groß, ich setze also den ersten Schnitt 16 mm über der Mitte des Tellers an.

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Ich schiebe nun die Säge mit beiden Händen am Teller entlang.

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Nach dem ersten Schnitt drehe ich den Teller um 90 Grad und setze den zweiten an.

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Und dann noch mal 90 Grad drehen, sägen, 90 Grad drehen und sägen.

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Jetzt erhöhe ich den Tisch so weit, dass die entstehenden Sägeschnitte alle den gleichen Abstand bekommen und setze die nächsten 4 Schnitte.

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Das Ganze wiederhole ich bis an den oberen Rand des Werkstücks.

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Am Ergebnis ist schon absehbar, wie unser Objekt einmal aussehen wird.

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Die Sägeschnitte werden mit der Hand ausgeschliffen und die Kanten etwas gebrochen.

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Da der Tiefenanschlag manchmal leichte Spuren hinterlässt, kann es nicht schaden, die Tellerfläche in Faserrichtung noch einmal ein bisschen zu überschleifen.

Bevor wir an das Drechseln der Rückseite gehen, sollten wir uns diese an einem fertigen Objekt einmal etwas genauer ansehen:

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Der von der Mitte aus gesehen erste Ring soll muss so gewählt werden, dass er das mittlere Quadrat und gleichzeitig die 4 unmittelbar angrenzenden hält. Die weiteren Ringe werden so positioniert, dass ein Quadrat jeweils von zwei Ringen gehalten wird. Den äußersten Ring mache ich etwas stärker, da er die Vierecke an den Ecken alleine halten muss, und die Erfahrung zeigt, dass unbedarfte Leute das Objekt zwar vorsichtig, aber immer genau an dieser Stelle hochheben. Das ist dann sehr häufig ein Fall für Sekundenkleber.

Da wir von der Mitte her zu Drechseln anfangen, ist es wichtig sich den Innendurchmesser des kleinsten Kreises zu merken, besser aufzuschreiben.

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Um die Unterseite des Tellers zu drechseln, benötige ich eine Spannvorrichtung, die ihn außen spannt, ohne ihn zusammenzudrücken.

Dazu nehme ich eine gerade Holzscheibe, die ich auf einer Planscheibe festschraube.

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Die Scheibe erhält in der Größe des Tellers eine Vertiefung (ca. 3 mm), die diesen genau zentriert.

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Ich drücke den Teller gut in die Führung und befestige ihn mit Heißkleber an der Holzscheibe.

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Nun markiere ich mit dem Zirkel die Größe des ersten Kreises, den wir uns hoffentlich gemerkt haben.

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Als Drechseleisen nehme ich einen 4 mm Drehstahl, an den ich eine ca. 2 mm breite Schneide geschliffen habe. Größer sollte die Schneide nicht sein, da sonst der Span zu breit und dadurch die Kräfte auf die Innenseite des Tellers zu groß werden.

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Nun drechsle ich den markierten Kreis so tief aus, bis ich den Sägeschnitt erreiche.
Die Art der Handauflage wähle ich so, dass ich für die linke Hand einen guten Anschlag und damit eine sichere Führung habe.
Einmal zu tief hinein gestochen wäre das sichere Ende des Projektes.

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Nun zeichne ich die Breite des ersten und die Lage des zweiten Ringes an.

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Dann den Zwischenraum wieder ausarbeiten, bis der Durchbruch geschafft ist.

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Nach dem zweiten Ring drechsle ich soweit, bis der Anfang des nächsten Quadrates freigelegt ist. Dann wieder den nächsten Ring anzeichnen und den Zwischenraum wegdrechseln.

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Je nach Größe des Objektes muss das noch mehrmals wiederholt werden.

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Um den äußersten Ring genau zu platzieren, hilft es, die nicht sichtbaren Quadrate anzuzeichnen.

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Bevor der Teller ganz fertig ist, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, die Unterseite sauber zu schleifen. So gut eingespannt werden wir ihn nicht mehr erleben.

Für solche Arbeiten an kleinen oder leicht zerbrechlichen Objekten habe ich mit einer kleinen Winkelbohrmaschine sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie ist sehr leicht und kann damit gefühlvoll geführt werden. Geeignete Schleifteller mit Moosgummiauflage muss man sich halt selber bauen.

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Man könnte hier natürlich auch mit einer biegsamen Welle arbeiten.

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Wo die Zwischenräume selbst für den kleinen Schleifteller zu eng sind, bleibt nur das Schleifen mit der Hand.

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Ein dünnes Stück Holz mit aufgeklebtem Klettbelag als Schleifmittelhalter tut auch manchmal gute Dienste. Die Unfallgefahr sinkt, und man bekommt nicht so leicht heiße Finger.

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Nun haben wir so weit gearbeitet, dass schon einige Vierecke etwas freigelegt sind, die nicht mehr zum fertigen Teller gehören, sondern am Rand in der Halterung verbleiben. Ich habe diese hier markiert.

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Damit uns beim Weiterdrechseln das Objekt nicht aus dem Rahmen fällt, setze ich mit Heißkleber an die freigelegten Nahtstellen kleine Klebepunkte, die das Ganze wieder zusammenhalten. Es sollte darauf geachtet werden, nicht zuviel Kleber in die Ritzen zu pressen. Die Klebestellen müssen nur sehr wenig aushalten, und vor allem müssen sie am Schluss wieder entfernt werden, ohne den Teller zu zerstören.

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Nun wieder ein Stück, ca. einen Zentimeter weiter arbeiten.

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Zur Sicherheit setze ich noch einmal ein paar Klebepunkte.
Lieber 10 Punkte zuviel als einen zu wenig.

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Jetzt lege ich den Teller gefahrlos bis an den Rand frei.

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Das Drechseln ist beendet, wenn die letzten Quadrate des Tellers voll sichtbar sind.

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Mit einer Spitzzange ziehe ich nun einen Klebepunkt nach dem anderen vorsichtig heraus.

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Wenn ich den fertigen Teller dann aus dem Rahmen nehme, dann ist das immer ein bisschen wie die Bescherung zu Weihnachten.

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Nun ist noch ein bisschen Handarbeit angesagt.

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Die Aussenkanten müssen noch verschliffen werden.

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Für das Schleifen der äußeren Vierecke leistet mein Miniaturwinkelschleifer wieder sehr gute Dienste.

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In den Ritzen muss noch der eine oder andere Span entfernt und Kanten entgratet werden.

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Nun bleibt noch die Oberflächenbehandlung.
Ich nehme hierzu Danish Oel.

Im Beitrag Teller in durchbrochener Technik zeige ich weitere Beispiele von Objekten, die in dieser Technik gemacht sind.

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