Vom Baum zur Schale

vom August 2005
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Ein Stück Stamm eines Zwetschgenbaumes, der schon ein paar Jahre vor sich hin getrocknet hat, wird auf der Bandsäge in der Mitte geteilt.

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Die Kanten des Haldstammes werden etwas abgesägt,

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… zusätzlich auch noch die vier Ecken, damit der Aufwand auf der Drechselbank später nicht zu groß wird.
Man könnte natürlich den Rohling auch gleich rund sägen, das gibt aber mein relativ breites Bandsägeblatt nicht her.

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Mit einem 50er Forstnerbohrer bohre ich ein paar Millimeter in das Holz, um eine Spannmöglichkeit für das Spreizfutter zu erhalten.

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Nun drechsle ich die Oberseite der späteren Schale einigermaßen plan.

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Mit dem Zirkel markiere ich einen Kreis von ca. 46 mm Durchmesser, um eine saubere, schwalbenschwanzförmige Spannmöglichkeit für den Rohling zu drechseln.

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Die Aufnahme für das Spannfutter wird ca. 5 mm tief.

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Für den Konus am Rand verwende ich normalerweise den Meißel.

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Nun spanne ich den Rohling um, um die Unterseite der Schale vorzudrechseln.

In diesem Fall haben Holzwürmer und Konsorten in den letzten 3 Jahren dafür gesorgt, dass ich die Rinde mit einem Stechbeitel vor dem Drechseln ganz einfach entfernen konnte.

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Mit der 16 mm Schalenröhre drechsle ich die Aussenform grob vor.

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Die Unterseite drechsle ich gerade, …

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… um auch hier sauber spannen zu können.

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Bevor ich die Schale innen vordrechsle, stelle ich den Reitsock so ein, dass ein kurzer Meterstab genau zwischen die Spannbacken des Futters und die Pinole des Reitstocks passt.
Mit dieser Anordnung kann ich später die Stärke des Schalenbodens genau messen.

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Mit der Röhre drechsle ich nun die Innenseite der Schale vor.

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Die Wanstärke soll ca. 10 Prozent des Durchmessers betragen, hier also 15 Millimeter.

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Wenn ich den Meterstab nun in den Schalenboden setze, kann ich am Reitstock genau die Stärke des Schalenbodens messen.

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Also noch einmal drüber gedrechselt, da die Wandstärke noch etwas zu groß ist.

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14 mm, das ist ok.

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Das wars erst mal für heute.

In einem kühlen Raum wird die vorgedrechselte Schale ca. 6 – 8 Monate langsam zusammen mit vielen ihrer Artgenossen getrocknet. Wenn ich ein bischen Glück habe, hält sich die Verformung dabei so in Grenzen, dass keine Risse entstehen.

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Der zweite Teil des Trocknungsvorgangs erfolgt dann bei normaler Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur hier auf einem Regal in meinem Büro.

Dieser Prozess dauert noch einmal ca. 2 – 3 Monate.
Manchmal wiege ich die Schalen auch alle 14 Tage, um festzustellen, wann der Trocknungsprozess beendet ist.

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Wenn die Aufnahme für das Spannfutter durch das Trocknen zu klein geworden ist, nehme ich zwei Backen des Spannfutters heraus, um die Schale trotzdem spannen zu können.
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Nun drechsle ich die Schale innen plan, …

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… und dann wieder eine saubere Spannmöglichkeit für das Futter.

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Nun drechsle ich die Aussenseite der Schale fertig.

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Die etwas „eiförmige“ Aufnahme für das Spannfutter wird rund gedrechselt.

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Zum anschließenden Schleifen verwende ich kleine Schleifteller auf Moosgummischeiben, die von einem Motor über eine biegsame Welle angetrieben werden.
Den Motor stelle ich einfach auf das Bankbett, der Zapfen sorgt dafür, dass ich ihn drehen kann, er aber nicht herunter fallen kann.

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Geschliffen wird mit 120 er Korn, manchmal auch gleich mit 240er, und dann noch mit 500er Körnung.
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Mit feinen Spänen wird die Oberfläche noch etwas poliert.

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Bevor es nun an die Innenseite der Schale geht, wird die Röhre noch einmal nachgeschliffen.

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Mit der Röhre drechsle ich die Schale fast fertig.

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Für den letzen Schnitt verwende ich den Schaber.
Wenn der nicht gerade, sondern mit ca 45 Grad an der Oberfläche geführt wird, schneidet er ganz feine Späne.

Damit dies leichter geht, habe ich mir eine Aufnahme gebaut, die den Schaber schräg hält.

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Damit wird die Oberfläche so sauber, dass sie fast nicht mehr geschliffen werden muss.

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Trotzdem noch mal mit 240er …

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… und dann noch mit 500er Schleifpapier geschliffen.

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Das mit den Spänen haben wir ja auf der Aussenseite auch schon so gemacht.

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Fertig …

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… bis auf die Rückseite.

Also die Spannbacken gewechselt.
Die 8 Kunststoffklötze halten die Schale gut fest und hinterlassen keine Abdrücke.

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Nun noch die Unterseite sauber gedrechselt, …

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… wieder geschliffen, …

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… fertig.

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Um die Oberfläche etwas anzufeuern und zu schützen, verwende ich meistens Danish Oil.

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Schale aus Zwetschgenholz,
14 cm Durchmesser,
3,5 cm hoch.

Zeit für die gesamt Herstellung ca. 1 Jahr.

 

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4 Responses to Vom Baum zur Schale

  1. Drechselmax sagt:

    Das ist ein sehr aufwendiges verfahren, aber gut es geht mit der Planscheibe viel schneller.

    Drechselmax.de

  2. Anonymous sagt:

    …wieder einmal eine super Anleitung, wie schon gewohnt.
    Solche ausführliche Arbeitsbeschreibungen findet man selten!
    Weiter so…

  3. Herbert Scheiber sagt:

    Tolle anleitung fange erst zu drechseln an.

  4. Engelhardt Holger sagt:

    Für einen Anfänger wie mich ist das eine Super Anleitung!
    Ich werde weiter auf deiner Seite stöbern und finde sich noch die eine oder andere Anregung.
    Ich habe erst angefangen mit dem Drechseln.

    Gruß

    Regloh55

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